Hohe Auszeichnung durch den Bundesminister

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Anerkennung  = Ansporn

 

Seniorentanz Österreich ausgezeichnet als Bildungseinrichtung

„Good Practice“ heißt das neue Zauberwort für das, was man bisher schlicht als “gute Arbeit“ bezeichnet hat. Diese neue Etikette haben wir nun als Qualitätsnachweis für unseren Bundesverband erhalten – verliehen und bestätigt vom bmask am 13. November 2009.

Wir leisten in Österreich einen vorbildlichen Beitrag zum lebenslangen Lernen. Wir sind Bildungsanbieter. Wir wissen das schon, aber jetzt haben wir es „amtlich“!

Denn wir geben mit unseren Tanzstunden vornehmlich älteren Personen die Möglichkeit, sich in Schwung zu halten: Körper, Geist und Seele sollen gefordert und dadurch gefördert werden, damit ihnen nichts verloren geht, was an Fähigkeiten vorhanden ist. Auch im höheren Alter sind ihnen darüber hinaus sogar noch Zugewinne möglich.

Wir sind Bildungsanbieter

Wir kennen viele Menschen, die langsam vereinsamen. Wir sind imstande, mit unserer Arbeit ihren Rückzug ins Schneckenhaus zu stoppen, ja ihn umzukehren. Wenn Menschen wieder „aus sich herausgehen“ können, wozu ihnen unser Tanzen verhilft, geschieht an ihnen eine Wesensveränderung, die ihnen ein Mehr an Lebensqualität schenkt. Das ist solch ein erfreuliches  Beispiel für lebenslanges Lernen in einem bestimmten Lebensbereich. In diesem Fall nennt man das „soziales Lernen“.

Das Lernen im schulischen Sinn unserer Kindheit und Jugend als der Erwerb von abfragbarem Wissen hat mit Beendigung unseres Schulbesuchs an Bedeutung verloren. Heute ist es gerade noch nützlich für  Kreuzworträtsel und die Millionenschow. Unsere „Good Practice“ erfasst den ganzen Menschen und nicht nur die Rätselkönigin in ihm. Wir sehen unsere Aufgabe darin, das lebenslange Lernen unserer TänzerInnen gesamtmenschlich anzuregen, zu fördern und zu unterstützen.

Beim lebenslangen Lernen geht es um den ganzen Menschen

Man kann fragen, warum unsere Bildungseinrichtung nicht vom Ministerium, das für Bildung zuständig ist Anerkennung erhalten hat sondern vom BM für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Vielleicht gerade deshalb, weil es nicht nur um den schulischen Bereich geht. Beim lebenslangen Lernen geht es um den ganzen Menschen in all den vielen miteinander vernetzten Bereichen seines Alltags und wie er damit in seiner Lebenswelt zurecht kommt (auch als Konsument von Freizeitangeboten). Dabei geben wir Hilfestellung: dass  unsere Mitmenschen weiter in Entwicklung bleiben, nicht stehen bleiben und schon gar nicht anfangen zu „versumpern“. Wir laden sie ein, mit uns zu tanzen!

„Good Practice“ ist der Qualitätsbegriff für die Geragogik geworden, wie der Fachausdruck für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen lautet. Dass wir diese Auszeichnung als Bundesverband erhalten haben, verdanken wir der Forschungsthese, dass Personen, die lernen, dazu eine lernende Organisation benötigen: Lernen mit Hilfe einer Organisation, die selbst lernwillig und lernfähig ist. Und das ist uns bestätigt worden.

Nach diesem Akt der Anerkennung durch ein Ministerium fragen wir uns: Und was nun? Zunächst freuen wir uns, dürfen stolz sein, berichten es unseren Gruppen – und dann?

Wenn wir uns dem lebenslangen Lernen nicht verschließen sondern uns als lernende Organisation fühlen, dann ist es ganz klar eine Einladung, noch mehr Wert auf die Reflexion der eigenen Arbeit zu legen – im Sinne der „Good Practice“- Kriterien .

Welche Kriterien sind das? Welche von ihnen sind für unsere Tätigkeit vorrangig?

Man ist ja fast versucht, in der Begeisterung  „na alle natürlich!“ zu sagen.

Die Geragogik ist in den letzten 3 bis 4 Jahrzehnten zu einer universitären Wissenschaft aufgestiegen. Wie der alternde Mensch in der Medizin in der Gerontologie zu einem besonderen Subjekt der Forschung wurde, ist er es auch –vorrangig in der Soziologie - in der Geragogik geworden. In den Anfängen war Prof. Rosenmayer ein Pionier dieser Forschung.

Unsere Arbeit ist eine Qualitätsarbeit

Bei der Enquete, in deren Rahmen unsere Arbeit vorgestellt und ausgezeichnet wurde, war es Univ. Prof. Dr. Franz Kolland, der uns mit den Kriterien vertraut machte, die unsere Arbeit als „Good Practice“ qualifizieren. Wir können also fragen: Warum sind wir so anerkennenswert gut – und wo können wir sogar noch besser werden? Für den persönlichen Gebrauch lautet die Frage in der Einzahl: Warum bin ich wirklich so gut und wo kann ich noch „zulegen“? Denn meine Arbeit ist eine Qualitätsarbeit und als solche wert, dass ich sie einer Qualitätskontrolle unterziehe.

Hier also die Kriterien nach Prof. Kolland - sozusagen „für den eigenen Hausgebrauch“:

1.      Meine Vorstellung über gelungenes Lernen

Ist mir das Ergebnis, das ich mir von meiner Arbeit erwarte, so klar, dass  ich es aufschreiben kann? Welche „Lern“- Ergebnisse erwarte ich bei den TeilnehmerInnen? Was bringt es ihnen für den Alltag?

2.      Intergenerationelle Angebote

Bemühe ich mich darum, verschiedene Altersgruppen einzubeziehen, also auch jüngere Personen zur Teilnahme einzuladen, mit der eigenen Gruppe Kontakte zu Kindern, bzw. Jugendlichen, ggf. Altenheim herzustellen, mit der Gruppe ein Fest der Gemeinde oder Pfarre mitzugestalten (möglichst in Form einer Einladung an die Gäste, mitzutanzen und weniger nur als eine reine Vorführung)?

3.      Gender - Aspekt

Ist die Gruppe bereit, auch Herren aufzunehmen oder bleiben die Damen lieber    

„unter sich“? Ist meine Gruppe überhaupt offen für Neues, Ungewohntes, einmal etwas ganz Anderes?

4.      Berücksichtigung bildungsferner Schichten

Überfordere ich manchmal TeilnehmerInnen? Spielt es im Miteinander in der Gruppe eine einschränkende Rolle, welchen Bidungsstand bzw. welche soziale Stellung die einzelnen Mitglieder haben? Hat jedes Gruppenmitglied mit jedem anderen guten Kontakt? Gibt es „Grüppchen“? Werden Beziehungen auch außerhalb der Tanzstunden gepflegt (Treffen, Ausflug, Telefonate oder Besuche bei Krankheit etc.)?

5.   Partizipation bei der Gestaltung

Lasse ich die TeilnehmerInnen möglichst viel mit-entscheiden? Gebe ich dazu häufig Gelegenheit? Mache ich entsprechende Angebote

a) nach innen: z.B. runde Geburtstage gestalten (Programm, kulinarische Beiträge, Gedichte, lustige Geschenke…)

b) nach außen: bei der Gestaltung von Tanzveranstaltung wie in Pkt. 2. oben.

6.  Öffentlichkeit und Verbreitungsgrad

Nehme ich Gelegenheiten wahr bzw. schaffe ich welche, dass meine Umgebung sehen kann, was wir tun und welche Freude unsere Art des Tanzens macht?

Wirke ich und wirkt die Gruppe dabei einladend und motivierend?  Sind die Mitglieder auch offen für „Neue und Neues“?

Vernetzung mit anderen Organisationen ist wichtig

Diese 6 Qualitätskriterien sind für die Selbstkontrolle jeder Tanzleiterin wichtig. Sie verringern auch die gefährliche Versuchung, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Die Kriterien 7 – 10 betreffen die einzelnen Tanzleiterinnen vielleicht in geringerem Maß als vor allem die Landesverbände und den Bundesverband. Es geht dabei um laufende Dokumentation und Evaluierung ebenso wie um Nachhaltigkeit und Vernetzung mit anderen Organisationen der Altenhilfe, der Altenbetreuung sowie der Altenbildung.

Bleibt mir nur noch, allen lieben KollegInnen alles Gute und viel Freude und Erfolge bei ihrer „Good  Practice“ zu wünschen!

Gertraud Krinzinger

Referentin Bundesverband

Seniorentanz Österreich